Erfahrungsberichte


„Das Schönste für mich war die Wärme.“

So fasst Linus Mielke seine Erlebnisse während seines achtwöchigen Aufenthalts in Sevilla zusammen. Und damit meint er zwar auch die hochsommerlichen Temperaturen, aber in erster Linie die Herzlichkeit, mit der er von den Mitarbeitern seines spanischen Praktikumsbetriebes empfangen und begleitet wurde.
Der Absolvent des Bildungsganges Informationstechnischer Assistent mit Allgemeiner Hochschulreife war im Sommer 2016 Praktikant in einem kleinen spanischen Unternehmen für Webdesign, wo er an der Gestaltung von Webseiten und Apps mitarbeiten durfte - „zu einem großen Teil eigenverantwortlich“, freut er sich.Die Erfahrung, sein am HHEK erworbenes Wissen bei der Arbeit umsetzen zu können und in einer fremden Sprache im Alltag zurecht zu kommen, war sehr positiv. Was dem jungen ITler aber nach eigenen Aussagen noch weit mehr gegeben hat, war die Möglichkeit, wirklich in einer anderen Kultur zu leben und zu arbeiten – kein Tourist zu sein: „Dies ist eine Chance, die viel mehr junge Leute ergreifen sollten.“
Man lerne in der Fremde „Einfühlsamkeit“, sagt Linus, und er denke seitdem viel darüber nach, was es bedeute, Europäer zu sein. Er jedenfalls habe sich in Sevilla heimisch gefühlt - und das lag eindeutig an der Begegnung mit den Menschen dort.

Lukas Lanser, Auszubildender Fachinformatiker Systemintegration, war im Mai 2017 für drei Wochen in Sevilla/Spanien
„Ich würde jedem, der über die Teilnahme an einem solchen Betriebspraktikum nachdenkt, dies definitiv empfehlen. Die Erfahrung, in einem fremden Land selbstständig zu leben und zu arbeiten ist genial. Man gewinnt so viele neue Eindrücke, es ist schon fast überwältigend. Es ist definitiv etwas anderes als einfach nur Urlaub zu machen, da man viel mehr und engeren Kontakt zu den Einheimischen hat. Wir konnten die vor Ort betreuende Organisation rund um die Uhr erreichen, sie waren sehr nett und hilfsbereit. Insgesamt gab es überhaupt keine Probleme für mich und ich würde wieder teilnehmen.“

Antons Erfahrungsbericht aus Sevilla
Am 07. Mai ging es für mich nach Sevilla, Spanien, ermöglicht durch ein Angebot von Erasmus+ und organisiert von „Arbeit und Leben NRW“. Unter dem Vorwand ein dreiwöchiges Auslandspraktikum absolvieren zu wollen, konnte ich hier das doch sehr launische Maiwetter in Deutschland umgehen. Es folgten drei Wochen Kommunikation mit Händen und Füßen, und Arbeiten bei 35°C+. Ersteres verschuldet durch einen Mangel an Spanischkenntnissen, doch dieses Manko sollte in zwei Wochen Abendschule ausgemerzt werden, zweiteres verschuldet durch, naja, die Sonne. Nach dem Flug nach Malaga ging es weiter mit der Bahn nach Sevilla, wo wir nach einer halbstündigen Suche unsere spanische Kontaktperson trafen. Die ältere Dame konnte kein Wort Englisch und das Spanischvokabular meiner deutschen Mitreisenden und mir beschränkte sich auf das Bestellen von Bier. Daraus resultierte eine interessante Autofahrt, die auf Grund meiner kläglichen Spanisch-Smalltalk-Versuche durchaus amüsant endete.
Um genau zu sein endete die Fahrt jedoch an eine Metallpfosten auf einem Parkplatz. Glücklicherweise nehmen die Spanier den Zustand ihrer Autos nicht so ernst, was mir auch bei vielen weiteren Ereignissen im spanischen Straßenverkehr auffiel.
Nach der Fahrt bezogen wir unsere Zimmer, um am nächsten Morgen unser erstes Treffen mit der spanischen Partnerorganisation „INCOMA“ anzutreten. Hier wurden wir unseren Partnerunternehmen zugeteilt, welches ich am nächsten Tag, zusammen mit einer Mitarbeiterin von INCOMA besuchte. Hier begann ich auf meinen Wunsch direkt mit der Arbeit und wurde meinen zukünftigen Mentoren Raul und David vorgestellt. Mit den beiden IT-Technikern machte ich in den nächsten Wochen die Straßen Sevillas unsicher: Als mittelständisches IT-Unternehmen bedienten wir dabei diverse Kunden vom Privatanwender, über Arztpraxen bis zu einem bekannten Düngemittelhersteller. Größtenteils galt es einfache IT-Probleme zu lösen, wie die Inbetriebnahme eines neuen Druckers, oder das Installieren von Sicherheitspatches. Ab und zu kam es dann zu etwas anspruchsvolleren Aufgaben wie die Neuinstallation von IP-Kameras, das Auflegen eines Patchfeldes oder das Beheben eines Netzwerkkonnektivitätproblems.
Generell hinkt der spanische Technikstandard dem deutschen jedoch um einiges hinterher. Oft arbeiteten wir mit alten Systemen und veralteten Techniken, was aber auch durchaus seine interessanten Seiten hatte. Bei der Arbeit hatte ich viel Spaß mit meinen spanischen Kollegen. Beide sprachen gutes Englisch und waren stets zu Scherzen aufgelegt. Besonders mit David verstand ich mich auf Grund eines korrespondierenden Musikgeschmacks besonders gut. Während jeglichen Autofahrten zu unseren Kunden hörten wir alte Hip-Hop-Klassiker und tauschten uns über diverse Rapkünstler von Nas bis Wu-Tang-Clan aus.
Da ich täglich meist nur bis 14 Uhr arbeiten musste, blieb weiterhin noch ausreichend Zeit, um nachmittags die Stadt zu besichtigen. Hier muss ich sagen, dass allein die Stadt ein Auslandspraktikum oder eine Reise wert ist. Sevilla strotzt nur so vor kleinen Gässchen, versteckten Kunstwerken und prächtigen Parkanlagen. Selbst in drei Wochen kann man sich hier nicht satt sehen. Besonders erwähnenswert ist der Plaza d‘Espana, ein großer, von Kanälen umgebener Platz, sowie Real Alcazar, ein Palast inmitten der Altstadt. Beide Orte dienten unter anderem als Drehorte für große Filmproduktionen, wie Star Wars oder Game of Thrones. Abgesehen von den kulturellen Sehenswürdigkeiten, frönten wir von Zeit zu Zeit auch weltlichen Genüssen. Allen voran probierten wir, natürlich nur in angemessenen Maßen, sämtliche Biersorten, die vor Ort ausgeschenkt wurden. Dabei ist zu erwähnen, dass sich in Sevilla zur Mittagszeit alle Bars mit nach Erfrischung suchenden Menschen füllten. Das Cerveza (spanisch für Bier) wurde dabei bei Temperaturen nahe dem Nullpunkt ausgeschenkt, laut den Spaniern, um die heißen Temperaturen zu überstehen, laut uns Bierconaisseurs, um den minderen Geschmack wett zu machen. Dazu werden kleine Beilagenteller nach Wahl gereicht, sogenannte „Tapas“. Ein Brauch, von dem wir Deutsche uns gerne eine Scheibe abschneiden könnten. Abgesehen davon probierten wir natürlich auch einige lokale Spezialitäten, die bei uns, je nach Gericht, auf mehr oder weniger Zuspruch stießen.
Abends ging es in den ersten zwei Wochen in die Sprachschule. Unsere Lehrerin Reyes lehrte uns dabei mit viel Charme und Witz Grundkenntnisse der spanischen Sprache. Die erste Woche verbrachten wir mit Franzosen, die zweite mit Italienern. Da wir mit einer Anzahl von drei Deutschen stets in Unterzahl waren, durften wir uns hier diversen Stereotypen unseres Völkchens stellen. Vom biertrinkenden Lederhosenträger bis zum fußballfanatischen Arbeitstier war hier alles dabei. Aber auch unsere Ansichten der anderen Nationalitäten sorgten immer wieder für amüsante Gespräche.
Alles in allem hatten wir viel Spaß mit unserer Lehrerin und unseren Mitschülern.
So wurde uns ein kleiner aber sehr unterhaltsamer Einblick in die spanische Sprache gewährt. Der Kurs half uns bei kleinen Alltagsdialogen, was auch bitter nötig war, da in Sevilla viele Leute nicht Englisch sprachen.
Unser Wohnort war ein großes Haus mit vielen Zimmern, einer Gemeinschaftsküche und mehreren Badezimmern. Diese teilten wir uns mit zwei Portugiesen, Sophia und Dixon, und einer nicht ganz definierbaren Anzahl an Polen.
Gerade mit den Portugiesen verstanden wir uns sehr gut. Sophia, die ein Spanisch- und Englischstudium hinter sich hatte, half uns in diversen Situationen, die wir ohne Ihre Dolmetsching-Fertigkeiten nicht hätten ohne Weiteres meistern können.
Weiterhin hatten wir eine große Dachterrasse auf der wir nicht nur in den Abendstunden gemeinsam die Sonne genießen konnten. Abends versorgten wir uns meist bei dem nahe gelegenen Supermarkt und kochten gemeinsam.
Zusammenfassend war das Auslandspraktikum eine gelungene Möglichkeit, ein anderes Land und dessen Leute kennen zu lernen. Ich habe viele neue Erfahrungen gesammelt und auch ein ganzes Stückchen Selbstbewusstsein dazugewonnen.
Auch bin ich mir wieder einmal dessen bewusst geworden, dass auch ohne gemeinsame Sprachkenntnisse Kommunikation möglich ist. Weiterhin zeigte mir die spanische Arbeitsweise, dass man viele Probleme mit einer viel entspannteren Art angehen sollte. Denn oft bin ich durch meine Denkweise, stets den effizientesten Weg zu wählen, mit der spanischen Lebensweise kollidiert. Oder wie mein Arbeitskollege Raul zu uns Deutschen sagte: „Die Deutschen leben um zu arbeiten, die Spanier arbeiten um zu leben.“